Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 558b)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Paul Schlenther (Berliner Tageblatt, 19. November 1911)

Etwas hat Herzogs Buch [Heinrich von Kleist, München 1911] vor dem Brahmschen sicherlich voraus. Das ist das Titelbild. Eine freie Phantasie Max Slevogts. Wir sind über Kleists Außenseite schlecht unterrichtet. Im Besitz der Kleistschen Familie befindet sich nur ein Miniaturporträt Krügers von 1801. Dann sagt Tieck, Kleist habe auffallend einer gewissen Tassobüste geglichen. Aus jenem Bildchen und dieser Büste [?] hat sich Slevogt seinen Kleist geformt. Das Süßlich-Altjüngferliche auf der Krügerschen Miniatur ist verschwunden, der runde Knabenkopf geblieben. Die rechte Wange stützt sich auf eine Hand, deren Finger teils lang gespreizt, teils gekrümmt sind, teils emporweisen, teils in die Tiefe deuten. Durch den Druck der Hand auf die Wange verschiebt sich die Unterlippe zu einem ganz leisen Zug ironisch-mokanten Lächelns. In den Augen, die vor sich hin träumen, liegt die unsichtbare Welt der Kleistischen Phantasie. Man läßt sich das Bild gern gefallen, nur schade, daß Herzog außer der Krügerschen Miniatur nicht noch ein Abbild der Tassobüste zum Vergleich daneben gestellt hat.

(Sembdners Quelle: Schlenther, Paul: Heinrich von Kleist. Berliner Tageblatt, 1911. 19. 11. 1911)


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