Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 444)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Raumer an Kleist. Berlin, 12. Dezember 1810

Da dem Herrn Kanzler [Hardenberg] der Grund durchaus unbekannt ist, warum Herr Präsident Gruner Ihnen die letzte so unangenehme Eröffnung gemacht hat, so hat er mir erlaubt, darüber bei diesem anzufragen; und ich kann nicht anders, als überzeugt sein, daß jenes Bedenken sich dann leicht wird heben lassen. Sie sehen hieraus, daß Sie ohne hinreichende Veranlassung und auf eine unbillige Weise voraussetzen, daß ich der Urheber von Maßregeln sei, die Ihnen nachteilig werden könnten, da ich doch in der ganzen Angelegenheit nur der Dolmetscher eines ganz allgemeinen Befehls des Herrn Kanzlers war; nämlich keinem Berliner Blatt irgendeiner Art den offiziellen Charakter beizulegen. Wenn Sie sich also beim Herrn Kanzler über mich beschweren wollen, so bitte ich, ihm meine Briefe zu zeigen, wenn Sie dieselben noch besitzen; er wird dann, sofern ich ihn mißverstanden, oder mich undeutlich ausgedrückt hatte, die Sache leicht aufklären, zu unserer beiderseitigen Beruhigung.

Noch einen Irrtum berühre ich: nicht ich habe Ihnen eine Pension anbieten können, noch weniger zu dem speziellen Zweck einer Verteidigung Sr. Exzellenz; sondern ich äußerte, daß Se. Exzellenz, sobald der Charakter der Abendblätter sich als tüchtig bewähre, er für dasselbe, wie für alles Nützliche im Staate, wohl gern etwas tun würde. Dies stimmt mit den Äußerungen Sr. Exzellenz, und darauf erwähnten Sie selbst eines ähnlichen Anerbietens. Sie wissen am besten, welch unglücklicher Zufall dem Abendblatt Verdruß bereitet hat, und worauf sich die Forderung, sich zu bewähren, beziehen mußte. Das ist vorbei und niemand hat jetzt die entfernteste Veranlassung, demselben auch nur im mindesten übel zu wollen. Am allerwenigsten ich selbst, der ich aufrichtig wünsche, daß Ihre Wünsche und die Befehle des Herrn Kanzlers in Übereinstimmung gebracht werden. Jenes aus Hochachtung und Freundschaft, dies als Dolmetscher des Willens eines höchst verehrungswürdigen Mannes.

(Sembdners Quelle: Raumer, Friedrich v.: Lebenserinnerungen und Briefwechsel. Bd. 1, Leipzig 1861, S. 228f.)


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