Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 351a)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


[Justinus Kerner], Nordische Miszellen, Hamburg, 19. August 1810

Einige Bemerkungen über Wien im Winter 1810

Nicht ohne Betrübnis sieht man, wie diese herrlichen Schauspielhäuser [am Kärnther-Tor, in der Burg und an der Wien] samt ihren trefflichen Schauspielern meistens zu niedern Zwecken gemißbraucht werden … Nicht ohne Betrübnis sieht man weiter, wie allen noch bessern Stücken, ehe sie auf diesen Theatern erscheinen, die Flügel beschnitten oder gänzlich ausgerissen werden, wodurch sie oft ein gar konfuses Ansehen erleiden. Eine solche Beschneidung erlitten: das Kätchen von Heilbronn, die Braut von Messina, Hamlet, die Räuber, wo aus dem alten Vater Mohr gar ein Oheim gemacht wurde, usw.

Der erste Schauspieler für ernsthafte romantische Rollen, den Wien besitzt, ist Grüner. In der Rolle des Grafen Wetter vom Strahle, im Kätchen von Heilbronn, von Kleist, hat er seine Meisterschaft aufs herrlichste an Tag gelegt. Dieses romantische Spiel, obgleich, wie es hier gegeben wird, ohne Zusammenhang und wahrscheinlich sonst noch sehr entstellt, wird durch sein und der Madame Pedrillo Spiel zu einer recht herrlichen Erscheinung gemacht. …

Madame Pedrillo ist lieblich, wo sie nur erscheint. Als Kätchen, im Kätchen von Heilbronn, steht sie recht ob aller Kritik. Sie ist klein und lieblich gebauet, ihre Stimme weich, voll Wohllaut.

(Sembdners Quelle: Nordische Miszellen. (Hrsg. v. Friedr. Alex. Bran) Hamburg 1810)


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