Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 305)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Friedrich Laun, Memoiren (1837)

Kleist schien zur Vollendung seiner Ausarbeitungen das Vorlesen derselben durch andere gar nicht entbehren zu können. Recht eigentümlich ist, was mir einer seiner vertrautesten Freunde [Hartmann] vor kurzem erst mitteilte. Eben mit dem beendigten Manuskripte der Hermannsschlacht tritt er eines Tages in sein Zimmer und bittet, daß er ihm solches vorlesen möchte. Ach, sagte er dabei, ich könnte dergleichen durch unsern Adam Müller weit besser haben, aber eben das Bessere muß ich hierin vermeiden. In Müllers Munde verwandelt sich beim Vorlesen das geringste Metall in reines Gold. Die dürftigste, unverantwortlichste Stelle besticht mein Ohr, so daß es weit schlimmer ist, als wenn kein Mensch mir sie vorgelesen hat. Du hingegen, lieber Alter, bist ein grundschlechter Vorleser. Dein Vortrag hebt mir das Mißratene erst recht ins helle Licht, und das eben tut mir bei diesen Gelegenheiten not.

(Sembdners Quelle: Laun, Friedrich: Memoiren. Bd. 2, Bunzlau 1837, S. 161f.)


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