Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 277a)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Adam Müller an Karl August Böttiger [Anfang Juli 1808]

Zugleich möchte ich Sie in einer meinen Freund Kleist und also auch mich sehr nahe angehenden Sache um Ihren gütigen Rat bitten. Durch die verweigerte Buchhandlungskonzession sind wir außer Stand gesetzt, bedeutende Kapitalsanerbietungen unsrer Freunde der Herren von Pfuel, von Carlowitz und von Bissing zu akzeptieren, da uns die Aussicht genommen ist, irgend einen Vorteil aus diesen Geldern zu ziehn. - Unsre eigne Mittel reichen grade hin, die kostspielige Unternehmung des Phöbus durchzuführen, der vom nächsten Stück an durch den Anteil des Herrn Friedrich Schlegel und durch bereits erteilte und noch ferner versprochene Beiträge der Frau von Stael noch größere Mannigfaltigkeit erhalten wird, und sich also vielleicht, besonders wenn auch Sie uns mit irgend einer Arbeit unterstützen möchten, allem ungünstigen Anscheine zum Trotz durchschlagen kann. Indes sind wir außer Stande irgend ein anderweites Projekt durchzuführen. So nun wurde von uns die Herausgabe der vortrefflichen Penthesilea unternommen, die in ihrer gegenwärtigen vollendeten Gestalt wohl jeden Tadler des im Phöbus mitgeteilten unzureichenden Fragments zum Schweigen bringen und gewiß Ihren Beifall erhalten wird. Der Druck in 11 Bogen ist nächsten Donnerstag vollendet und dann wird Herr von Kleist persönlich die Ehre haben, Ihnen ein Probeexemplar zu überreichen. Uns fehlt es an Mitteln und Konnektionen, die 750 fertigen Exemplare auch nur zu versenden und auch die Druckkosten zu übernehmen, wenn nicht der Phöbus darunter leiden soll. Deshalb ist Herr von Kleist entschlossen, die ganze fertige Auflage für die Druckkosten von circa 180-200 Talern zu verkaufen, und hat auch während meiner Abwesenheit Herrn Arnold eine desfallsige Offerte gemacht, bis jetzt aber noch keine Entscheidung erhalten.

Ew. Wohlgeboren sind zu inniger Freund und Beförderer alles Guten und Schönen, und Ihr literarischer Ruhm ist in Deutschland anerkannt: wie möchte ich also eine abschlägige Antwort befürchten, wenn es darauf ankommt, ein Talent wie das des Herrn von Kleist, durch eine genialische Arbeit dem Vaterlande in vollerem Lichte bemerklich zu machen, und wenn entweder durch Ihren Einfluß auf die Entschließung des Herrn Arnold, oder durch anderweite eindringliche Empfehlung dieses Werkes an irgend einen andern Buchhändler, so viel erreicht werden kann. Herr von Kleist tut Verzicht auf das Honorar und behält sich etwa 20 Exemplare zur Versendung an seine literarischen Freunde vor. Vielleicht würde ein deutscher Buchhändler auf solche Bedingungen den Handel eingehn können.

(Sembdners Quelle: Baxa, Jakob (Hrsg.): Adam Müllers Lebenszeugnisse. Paderborn 1966. Bd. 1, S. 428f.)


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