Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 200a)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Adam Müller an Johannes von Müller in Kassel. Dresden, 17. Dezember 1807

So als ehemaliger Freund und als Deutscher wage ich Sie um die Protektion einer Unternehmung zu bitten, die wohlgemeint und von vielen Seiten unterstützt die Beförderung manches Guten und Edlen verspricht. Es erscheint nämlich unter dem Titel Phöbus vom Januar 1808 an, in Dresden nach dem Muster der Horen [von Schiller], redigiert von mir ein großes Kunstjournal, das, mit Ausschluß der praktischen Staatskunst und aller Kritik der Zeitbegebenheiten, die tätige Kultur aller Künste, also auch der wahren historischen Künste zum Zweck hat.

Wieland, Goethe, Schiller in mehreren Posthumen, und viele Vortreffliche der Nation sind so gut als gewonnen für die Sache. Sie, welche Ausstellungen Sie auch gegen meine Persönlichkeit und gegen mein wissenschaftliches Streben machen mögen, sind zu groß und zu gut, um mir Ihren wichtigen und einzig notwendigsten Beistand zu entziehn. … - und so darf ich hoffen, daß Sie mir etwas Ungemeines zutrauen und die mir einst bei einer andern Gelegenheit noch nach Südpreußen hin versprochene Nennung Ihres Namens (in einer Ihrer erhabenen Station angemessenen Form) jetzt gestatten werden. Ihre Entscheidung wird mich bestimmen, ob ich um mehr bitten darf. Das heiligste Versprechen der unbedingtsten Diskretion in Redaktion des Werkes füge ich mit Ernst hinzu.

Soll ich noch sagen, daß nach Verarmung des väterlichen Hauses für mich alle Unterstützungen desselben ausbleiben, und daß durch die Unternehmung neben dem höheren Zweck auch eine leichtere, ökonomische Existenz für mich gewonnen werden kann? Über den Sorgen für das, was Deutschland erheben kann, unter welchen Sie jetzt leben, ist es unangemessen von den Beschwerden der geängsteten Persönlichkeit zu reden: desto angemessener Sie um die Unterstützung einer Sache zu bitten, welche die Nation erfreuen kann und soll.

(Sembdners Quelle: Baxa, Jakob (Hrsg.): Adam Müllers Lebenszeugnisse. Paderborn 1966. Bd. 1, S. 365)


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