Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 180a)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Journal de Paris, 7. August 1807

Ein deutscher Dichter namens Herr von Kleist gab in Dresden einen Amphytrion in Druck, den er als eine Nachbildung des gleichnamigen Stückes von Molière auszugeben geruhte. Ein Journalist des gleichen Landes, weniger bescheiden oder noch dreister als der Nachahmer, glaubt, daß dieses Stück so überlegen dem Molièreschen sei, wie die deutsche Nation in allen dramatischen Gattungen der französischen überlegen ist. Das ist ganz klar und deutlich. Man wußte schon, daß die Phädra von Racine im Vergleich zu einer deutschen Phädra, die vor zwei Jahren in Berlin erschien, nur ein schlechtes Machwerk gewesen ist. Man weiß außerdem, daß ohne jeden Zweifel Schiller mehr Talent für sich ganz allein gezeigt hat als Molière, Regnard, Corneille, Racine und Voltaire zusammen. Man weiß endlich, daß das französische Theater in Europa weder geliebt noch bewundert wird und daß man auf allen Theatern der Welt die Meisterwerke von einem Brandes, Unzer, Bertuch, Lessing, Großmann, Engel und Herrn Kleist spielt. Das ist bekannt und muß für immer den Liebhabern, Anhängern und Verehrern der französischen Literatur den Mund schließen. [französ.]

(Richardson, F. C.: Kleist in France. Chapel Hill, The University of North Carolina Press (1962), S. 10f.)


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