Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 172a)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Adam Müller an Friedrich Gentz. Dresden, 9. Mai 1807

Ich sende Ihnen, mein Freund, um Ihren Wünschen wenigstens teilweise zu genügen, die von mir herausgegebene dramatische Arbeit eines jungen Dichters, der vielleicht Besseres und Höheres als irgendein anderer verspricht. Die Lektüre des zweiten Akts des Amphitryon wird Sie bewegen, mein Urteil zu unterschreiben. Die äußere Ungeschliffenheit der Verse wegzuschaffen, hielt ich nicht für meinen Beruf, um so weniger, als ich den innern Rhythmus dieses Gedichts zu verletzen für ein Verbrechen gegen die poetische Majestät dieses großen Talents gehalten haben würde. Wäre der Verfasser nicht gegenwärtig im Schlosse Joux als Arrestant der Nachfolger Toussaints, so würde, was Sie Nachlässigkeit in der Sprache und im Versbau nennen mögen, wahrscheinlich daran nicht auszusetzen sein. Ich besitze mehrere Manuskripte dieses Autors, die zu gelegener Zeit erscheinen sollen.

(Sembdners Quelle: Briefwechsel zwischen Friedrich Gentz und Adam Heinrich Müller. Stuttgart 1857, S. 93)


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