Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 364): Unterschied zwischen den Versionen

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In Berlin blieb ich 4 Tage und meine Anwesenheit fiel gerade
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'''Charlotte von Kalb an Jean Pauls Gattin. Berlin, 8. August 1810'''
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mit dem Sonntag (5. August] zusammen, wo die Leichenpredigten
 
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der Königin [Luise] nach dem gegebenen Text gehalten
 
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wurden. [Adam] Müller, seine Frau, Kleist und ich verteilten
 
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uns in verschiedenen Kirchen, um Schleiermacher, Ribbeck,
 
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Ancillon und Ehrenberg zu gleicher Zeit zu hören, wir waren
 
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insgesamt nicht sehr erbaut worden. Keiner von allen hatte den
 
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Gegenstand mit der Einfachheit und Würde behandelt, welche
 
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er verlangte; nach einem schönen, zum Herzen sprechenden
 
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Anfange ließ sich Ancillon in eine steckbriefartige Beschreibung
 
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der Eigenschaften der Verstorbenen ein und endete mit
 
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zum Teil unechten Rednerkünsten, so daß ich nur sehr
 
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mittelmäßig befriedigt nach Hause ging. Vor allem aber hat
 
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Schleiermacher kalt und herzlos gesprochen, seine untadelhaft
 
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logisch verschränkten, mit der besten Moral gesättigten Perioden
 
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haben keine Tränen hervorzulocken vermocht; Müller,
 
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der ihn gehört hatte, war indigniert. Das sind nun die großen
 
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Redner! mit keinem Effekt!
 
  
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Den Herrn von Kleist, Verfasser der Familie von Schroffenstein,
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sprach ich bei Sander; weiß ich mehr von ihm, so schreibe
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ich es an Richter [Jean Paul]. Die Gesellschaft lebender Geister
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vermehrt sich jetzo in Berlin.
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''(Sembdners Quelle: Briefe von Charlotte v. Kalb an Jean Paul und dessen Gattin. Hrsg. v. P. Nerrlich. Berlin 1882, S. 145)''
  
 
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Aktuelle Version vom 12. Dezember 2013, 11:07 Uhr

Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Charlotte von Kalb an Jean Pauls Gattin. Berlin, 8. August 1810

Den Herrn von Kleist, Verfasser der Familie von Schroffenstein, sprach ich bei Sander; weiß ich mehr von ihm, so schreibe ich es an Richter [Jean Paul]. Die Gesellschaft lebender Geister vermehrt sich jetzo in Berlin.

(Sembdners Quelle: Briefe von Charlotte v. Kalb an Jean Paul und dessen Gattin. Hrsg. v. P. Nerrlich. Berlin 1882, S. 145)


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