Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 137b)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Caroline von Briest an Ernst von Pfuel. Potsdam, 12. April 1805

Mit Schlotheim geht es sehr gut, er wird fast gar nicht entstellt, ist nicht mehr bettlägerig und vollkommen ruhig und heiter. Ich sage Ihnen nichts von den Beweggründen dieser Handlung, denn Sie werden nur zu viel darüber hören. Man ist ganz ärgerlich, daß eine schwache Gesundheit, ein geängstigtes Gemüt zu solchen Entschlüssen treiben können, und würde sich freuen, wenn man eine drückende Schuldenlast, ein großes Verbrechen entdeckte, denn nur dann würde man diesen Schritt motiviert finden. … Heinrich Kleist ist gleich Mittwoch [10. April] herübergekommen, als er die traurige Nachricht erfuhr, und bis gestern Nachmittag Tag und Nacht bei Schlotheim geblieben. Diese Gesellschaft hat dem armen Leidenden sehr wohl getan, ihm hat er sich ganz geöffnet, der mit ihm gleich empfindet, seine Tat notwendig fand, sie zu billigen schien, wodurch er freilich die Menschen sehr skandalisierte und die arme Kleisten [Marie v. Kleist] sehr beunruhigte, die durch die traurige Erfahrung erschreckt, für alle ihre Freunde fürchtet. Ich beruhige sie aber mit der Versicherung, daß ihre Freunde zu lebhaft den Wert ihrer Freundschaft empfinden, um ihr zum Lohn für die Anhänglichkeit ohnegleichen so schreckliche Qualen, ja selbst den Tod zu bereiten.

(Sembdners Quelle: Rahmer, Sigismund, H. v. Kleist als Mensch und Dichter. Nach neuen Quellenforschungen. Berlin 1909, S. 19f.)


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