Heinrich von Kleists Nachruhm (NR 4)

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Heinrich von Kleists Nachruhm. Eine Wirkungsgeschichten in Dokumenten. Herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle NR und laufender Nummer zitiert.]


Ist es gegründet, daß Adolphine Vogel, geborne Keber, und der Dichter des Kätchens von Heilbronn, Heinrich von Kleist, die den 21. November sich drei Meilen von Berlin ohnweit Potsdam beim neuen Kruge gemeinschaftlich erschossen, und deren Tat, laut einer der merkwürdigsten Totenanzeigen im 142. Stück der Berliner Vossischen Zeitung, alle verwandte Geister aller Jahrhunderte interessiert, deren Katastrophe aber ein Freund dieser zwei Wesen, »die die Reinheit und Liebe selbst waren«, nach dem Wunsche des tiefbetrübten Gatten obbesagter Adolphine, zum Besten einer schon dem Namen nach sehr ehrwürdigen, wohltätigen Anstalt herauszugeben verspricht, kurz vor ihrem Hintritt noch die Wahlverwandtschaften gelesen haben, wie ein Reisender, der aus Berlin kommt, mit allerlei Umständen versichern will?

Es sind Zeichen der Zeit. Aber Vorwitz und böser Wille könnte leicht die Zeiger an diesem Zifferblatte mutwillig verrücken wollen, indem man die Lektüre eines Buches damit in Verbindung setzt, welches, wie der Legationsrat Falk vor kurzem in einem gediegenen Aufsatz in der Urania LS 390a gezeigt hat, weit über alles, was Schiller oder andere intendiert haben, das innere Getriebe des Schicksals, wie es sein soll, weil es sein muß, uns aufschließt, und, wie es ebenfalls Herr Falk versichert, diesen Dichter Kleist mit sich selbst und seinen erhabenen Schicksalsdichtungen in vollkommnen Einklang setzt.

(Aus: Zeitung für die elegante Welt. Hrsg. von A. Mahlmann. Leipzig, 7. 12. 1811)


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