Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 518)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Mitteilung einer unbekannten Freundin (1847)

Nicht unerwähnt darf aber hier bleiben, wie herzlos das gebildete Berlin sich gegen den genialen unglücklichen Dichter bewies, wie die kleinlichsten Kabalen angewendet wurden, um selbst den Versuch, seine Dramen auf die Bühne zu bringen, zu hintertreiben, wie seine Zerstreutheit, seine Art zu reden und sich zu tragen, ausgebeutet wurden, ihn lächerlich zu machen, ihn als einen halb Wahnsinnigen darzustellen, oder gar wie man sich mühte, die schändlichsten Lügen über ihn und eine unglückliche Frau, die endlich allein noch teil an seinen Leiden nahm, zu verbreiten.- Von frühester Jugend an hatte Kleist sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, dereinst freiwillig zu enden - doch nicht als Feigling, der das Leben nicht mehr zu ertragen vermag -, und höchstwahrscheinlich würde er auch inmitten des Glücks endlich seinen Entschluß ausgeführt haben; doch bleibt es gewiß, daß eben damals ein äußerer Anstoß dazu gehörte, ihn in den Tod zu treiben, und immerhin kann man behaupten: Kleist sei eigentlich an den Berlinern von 1811 gestorben. … [LS 33b]

(Sembdners Quelle: (Beyer, Rudolf v.:) Heinrich v. Kleist. E. Fragment nach d. Mitteilungen e. Freundin. Der Salon, Wien 1847, H. 3, S. 70-74. (Aus Beyers Nachlaß später nochmals auszugsweise mitgeteilt v. Rudolf Schade, Tägl. Rundschau, 20. 10. 1927, Deutsche Zeitung, 1. 10. 1929)


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