Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 471)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


F. W. Gubitz (Vossische Zeitung, 31. Januar 1866)

Im Jahre 1810 sah ich Kleist in Berlin, die ganze Erscheinung war ein Bild der Dürftigkeit. Er nährte sich damals hauptsächlich durch ein Wochenblättchen, dessen Inhalt er, wie man mir sagte, in einem Gasthofe schrieb wegen der Mangelhaftigkeit seiner Wohnung. … Schon im Jahre 1810 hatte ich mit Iffland darüber gesprochen, weswegen keine der Dichtungen von Kleist den Weg zur Bühne erreiche; doch ist es mir jetzt deutlicher als damals, daß jenem alles Geheimsinnige im schwärmerischen Dichtungswalten nicht anfaßlich wurde für sein Ziel. Dazu kommt, daß Iffland von der sogenannten »romantischen Schule«, die ihren Heinrich von Kleist mit Grund als den Begabtesten ihres Jüngerkreises hervorhob, fortwährend unterschätzt und mißhandelt wurde; nächstdem war auch allerdings keine der Dichtungen zur Darstellung geeignet ohne Bearbeiten, womit sich vor dem Tode Kleists niemand beschäftigen konnte oder wollte. Dennoch hätte, nach meiner mir dauernd gebliebenen Ansicht, Iffland sich zu einem Versuch entschließen sollen … Wahrscheinlich ist es: blieb der Weg zur Bühne für Heinrich von Kleist nicht verschlossen, dann hätte er sich aus den ihm anhänglichen Unfläten und Zerfahrenen gerettet.

(Sembdners Quelle: Walther, Gerhard: Das Berliner Theater in der Berliner Thgespresse 1848-1874. Berlin 1969, S. 147f.


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