Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 442)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Friedrich von Raumer, Lebenserinnerungen (1861)

Um diese Zeit geriet ich in einen unangenehmen Streit mit Adam Müller und Heinrich von Kleist …

So erschien in den von Müller und Kleist herausgegebenen »Abendblättern« ein hämischer Angriff auf die soeben bestätigten Gesetze, und der König erließ deshalb unmittelbar eine Zurechtweisung an die Polizei [s. LS 426]. Auch diese sollte von mir herrühren, obgleich ich von dem ganzen Hergange gar nichts wußte. Nun steckte sich Müller hinter den sehr gutmütigen Kleist, um mich durch alle Stufen von Drohungen (bis zum Zweikampfe) zu seinem Willen zu zwingen. Der hieran sich reihende Briefwechsel … schließt damit, daß Kleist erklärte: er sei zu allem induziert und vertraue, ich würde ihm edelmütig alles vergeben. In der Tat konnte ich dem wohlwollenden talentvollen, bloß verlockten Kleist nicht zürnen, und habe dies in spätern Gesprächen herzlich gesagt; leider war ich aber gar nicht imstande, etwas Erhebliches für ihn zu tun, was vielleicht seine schon längst eingewurzelte Melancholie gemildert und ihm ein heitereres Leben verschafft hätte.

(Sembdners Quelle: Raumer, Friedrich v.: Lebenserinnerungen und Briefwechsel. Bd. 1, Leipzig 1861, S. 157f.)


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