Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 402)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Friedrich August Staegemann an Johann George Scheffner. Berlin, 9. Oktober 1810

Daß Adam Müller [an der neu gegründeten Berliner Universität] nicht angestellt worden ist, mag zum Teil an ihm selbst liegen. Er hat vorderhand ein Gehalt von 1200 Talern beim Finanzministerio, wofür er noch zur Zeit nichts tut; aber es hält ihn doch bei uns zurück. Er ist ein ganz vorzüglicher Kopf, aber er muß noch lernen und gründlicher werden. Ich sehe ihn sehr oft. Sein Freund Heinrich v. Kleist redigiert jetzt ein Abendblättchen, welches so gelesen wird, daß vor einigen Tagen Wache nötig war, um das andringende Publikum vom Stürmen des Hauses des Verlegers abzuhalten. Diesen Reiz gibt ihm die Aufnahme der Polizeinachrichten, die der Polizeipräsident aus Freundschaft suppeditiert. …

Die diesjährige Kunstausstellung hat einige gute Sachen, mehr schlechte. Sie werden in unserm Kleistschen Abendblatt eine Kritik darüber finden, die gewiß gelesen zu werden verdient. Sie ist von einem meiner hiesigen Freunde, Herrn Beckendorf, Erzieher des Prinzen von Hessen. Auch Müller und mein Hauspoet [Friedrich Schulz] werden an dem Blatt Anteil nehmen. Der König scheint es protegieren zu wollen. Aber gegen Iffland müßten sie nicht zu Felde ziehen, wie sie es beabsichtigten. So strich ihnen die Zensur schon einen Brief aus Leipzig, worin geschrieben wurde, daß Iffland nach Berlin gereist sei, um daselbst einige Gastrollen zu spielen.

(Sembdners Quelle: Rühl, Franz: Aus der Franzosenzeit. Ergänz. z. d. Briefen u. Aktenstücken z. Gesch. Preußens …, vorzugsw. a. d. Nachlaß v. F. A. v. Stägemann. Leipzig 19004, S. 158f.)


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