Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 31)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Überlieferung (Tieck 1826)

Da er sich früher zum Soldaten bestimmt hatte, so war seine Erziehung nicht die eines künftigen Gelehrten gewesen, und es war daher natürlich, daß er jetzt, im dreiundzwanzigsten Jahre, viele der Studierenden an Erfahrung, Ausbildung und entwickelten Gedanken übersah, wie er in den nötigen Vorkenntnissen hinter den meisten zurückblieb. Dies verstimmte ihn oft, da er die Hemmung fühlte, und sein heftiger Geist nur gar zu gern alles übersprang, was ihn von irgendeinem Ziele zurückhielt. So heiter, kindlich und ausgelassen er sein konnte, so ernst und verschlossen war er wieder in andern Stunden; wie sehr er mit sich oft zufrieden war und sich seiner Fortschritte freute, so haderte er doch auch nicht selten mit sich selber, hielt sich für unbrauchbar und unfähig, und wollte immer mit Gewalt und in kurzer Zeit mit Trotz das erzwingen, was nur Geduld, Ausdauer und Resignation auch dem ausgezeichneten Geiste gewähren können.

(Sembdners Quelle: Kleist, H. v.: Gesammelte Schriften. Hrsg. v. L. Tieck. Berlin: Reimer 1826. Bd. 1, Vorrede S. 4f.)


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