Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 267a)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Friedrich Meier an Wilhelm von Gerlach. Dresden, 9. Juni 1808

Aber gestern abend gehe ich am Schluß meines Spazierengehens um neun Uhr zu dem Herrn von Pfuel und seiner Frau, die Du kennst dem Namen nach durch mich, der vor dem Tore auf dem Wege nach dem Linkeschen Bade wohnt, und finde bei ihm das vierte Heft vom Phöbus, welches ich schon so lange sehr gern zu sehen gewünscht hatte; er lieh es mir, und ich las abermals gestern abend von zehn Uhr bis nach ein Uhr (es sind zwei einen halben Finger starke Hefte in Quart) es ganz durch und sogleich noch einmal heute früh, - und eben las ich wieder mit großem Vergnügen drin. Ich bitte Dich, wenn Du es noch nicht gelesen hast, such es zu bekommen, es sind ganz herrliche Sachen darin. Vorzüglich und vortrefflich finde ich zwei Fragmente von Kleist [Guiskard, Käthchen von Heilbronn]; ich habe, ich weiß nicht wodurch, eine sehr unvorteilhafte Meinung von diesem Kleist gehabt und ging mit dem Vorurteil dagegen an die Lektüre; allein nicht allein, daß es mir gefiel, sondern ich wurde enthusiastisch davon ergriffen, und noch jetzt, da ich nicht lese, glaube ich, daß dieser Kleist ein außerordentlicher Geist ist, von dem große Dinge zu erwarten sind.

(Sembdners Quelle: Schoeps, Hans Joachim: Aus d. Jahren preuss. Not u. Erneuerung. Tagebücher u. Briefe d. Gebrüder Gerlach. Berlin 1963, S. 432f.)


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