Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 261)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Dora Stock an F. B. Weber. Dresden, 11. April 1808

Herrn v. Kleist sehen wir oft in unserm Hause, und wir schätzen ihn als Mensch wie er verdient. Mit dem Schriftsteller haben wir manchen Streit. Sein Talent ist unverkennbar, aber er läßt sich von den Herren der neuern Schule auf einen falschen Weg leiten, und ich fürchte, daß Müller einen schädlichen Einfluß auf ihn hat. Seine Penthesilea ist ein Ungeheuer, welches ich nicht ohne Schaudern habe anhören können. Sein zerbrochner Krug ist eine Schenkenszene, die zu lang dauert, und die ewig an der Grenze der Dezenz hinschießt. Seine Geschichte der Marquisin von O. kann kein Frauenzimmer ohne Erröten lesen. Wozu soll dieser Ton führen? Überhaupt fürchte ich, daß der Phöbus nicht länger wie ein Jahr leben wird. Jetzt schon wird er weder mit Vergnügen erwartet, noch mit Interesse gelesen. Und doch wollen diese Herren an der Spitze der Literatur stehen und alles um sich und neben sich vernichten.

(Sembdners Quelle: Weber, Albrecht: Briefe der Familie Körner. Deutsche Rundschau 1878,Bd. 15, S. 467-73)


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