Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 260)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Karl August Varnhagen von Ense an Fouqué. Berlin, 4. April 1808

Wo sind denn die ersten Schriftsteller Deutschlands, welche man als Mitarbeiter im Föbus versprach? Ich finde bis jetzt nur Adam Müller und Heinrich Kleist, und wiederum Heinrich Kleist und Adam Müller. Doch hat mir Kleists Erzählung von der Markise wohl gefallen, sie ist geschickt und gebildet, aber das ist wichtig - gebildet wie die Erzählung eines Weltmanns, nicht gebildet wie die eines Dichters, in diesen wenigen Worten glaub ich Kleists ganzes Wesen bestimmt ausgesprochen zu haben, und wenn auch preiswürdig mir dieses Talent erscheint, und selbst den Kleist ich persönlich liebe, so muß es doch bitter schmerzen, einen solchen an der Spitze eines Journals zu sehen, das versprochen hat, mit Kunst und Poesie die Nation zu erfreuen. Der große Cervantes würde nimmer sagen: in dem *** Kriege, ein Oberst der *** Truppen, bei der Bestürmung von M***, die Marquise von O***. O über den ekelhaften Kerl, der als Dichter ordentlich an sich halten will und beileibe nicht die ganze Welt enthüllen mag, in der seine Gestalten leben!

(Sembdners Quelle: Rahmer, Sigismund, H. v. Kleist als Mensch und Dichter. Nach neuen Quellenforschungen. Berlin 1909, S. 137)


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