Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 180)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Charles Vanderbourg. Archives littéraires de l'Europe, Juli 1807

Herr H. von Kleist hat in Dresden einen Amphytrion drucken lassen, den er zwar als Nachahmung von Molière ausgibt, der aber einem deutschen Journalisten [s. LS 175a] die Gelegenheit bot, in poetischer Hinsicht Molière unter Herrn von Kleist und die französische Nation unter die deutsche zu setzen. Wir bedauern sehr, diesen neuen Amphytrion nicht vor Augen zu haben. Alles, was uns unser Journalist davon mitteilt, ist, daß die griechische Fabel, die den Stoff dazu lieferte, in einer überraschenden und übermenschlichen Weise gedeutet wurde; daß man darin ohne Anstrengung eine der schönsten Mysterien unserer Religion wiederfinden kann; daß nur ein Grieche oder ein Deutscher sie in dieser keuschen und sublimen Betrachtungsweise erfassen kann, was den Römern notwendigerweise entgehen muß und einen Franzosen niemals von der schlüpfrigsten Idee abhalten wird; daß mit einem Wort, wenn Herr von Kleist durchaus nach Molière gearbeitet haben will, er einen umgewandelten Moliere gegeben hat … Wir glauben demnach, daß Herr von Kleist aus Amphytrion ein ganz neues und ganz eigentümliches Werk gemacht hat; aber sicherlich entspricht das nicht einer derartigen Lobrede. [französ.]

(Sembdners Quelle: Weiss, Hermann F.: Funde und Studien zu Heinrich von Kleist. Tübingen 1984, S. 169f.)

[Anmerkung Sembdner: »Durch diesen Beitrag von Charles Vanderbourg (1765-1827) wurde offenbar die anonyme Glosse im ›Journal de Paris‹ [LS 180a] veranlaßt.«]


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